Gut handeln! Gut fühlen! Gut handeln?

Der interessante Artikel „Grün kaufen, schlecht handeln“ auf Zeit Online, hat heute mein Interesse geweckt. In dem Artikel wollen Psychologen herausgefunden haben, dass Menschen die etwas moralisch Wertvolles tun und sich dabei gut fühlen, bei ihren nächsten Handlungen eher zur moralischen Nachlässigkeit neigen.
Das konkrete Beispiel behandelte den – noch nicht-alltäglichen – Einkauf im Bioladen. Eine Probandengruppe sollte den Laden nur betrachten, die andere sollte dort einkaufen. Nachdem Abschluss dieser Runde, mussten die Probanden sechs Dollar aufteilen, und zwar zwischen sich und einer fremden anonymen Person. (Sie wussten, dass sie nie in eine Situation kommen, in der sie ihre Aufteilung rechtfertigen müssen.) Nun zeigte sich, dass die Probanden, die im Bioladen einkaufen waren, das Geld ungerechter aufteilten, als Probanden, die den Laden nur betrachteten.
Eine interessante Untersuchung, die die Experimentatoren zum Schluss führte, dass das Durchführen von moralisch-wertvollen, aber nicht-alltäglichen Handlungen, zu moralisch-nachlässigem oder wie der Autor des Artikels schrieb „unsozialen Verhalten“ animiert.

Was für Konsequenzen können aus dieser Erkenntnis gezogen werden? Nun, während der Satz „Tu gutes und fühl dich gut“ einen eigenartigen egoistischen Beigeschmack bekommt und die Motivation zum moralisch-richtigen Handeln geschwächt wird, weil schlechte Folgen drohen, liegt doch schon die Ursache dieser Entwicklung in der Motivation zur Handlung. Wie die Autoren schreiben, ist der Einkauf im Bioladen kein alltäglicher und somit normaler Einkauf, sondern ein besonderer Gang. Manchen kostet er Überwindung, bei anderen ist es nur ein spontaner Impuls, manche kaufen sich ein gutes Gewissen und der Mensch scheint in den Bioladen aus Egoismus zu gehen – für ein gutes Gewissen.
Doch was ist mit denen, die in die Bioladen gehen wollen und was ist mit Kellner die Fehler machen? Es könnte doch auch Möglichsein, das der vergessene Posten auf einer Rechnung, den Gästen, wie eine Belohnung für ihre Taten im Bioladen erscheint. Ist nicht letztendlich der Kellner für die Rechnung verantwortlich, genau wie wir für unsere Handlungen?

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