Moderner Gesundmacher in antiken Mumien gefunden

Antibiotikum könnte älter sein, als wir denken, denn Forscher haben in nubischen Mumien Tetracyclin gefunden. Der Fund ist unwiderlegbar und eindeutig, aber zwei Fragen stellen sich: Wussten die Nubier, dass sie diesen Stoff aufnehmen und wie haben sie diesen Stoff aufgenommen?

Das Antibiotikum Tetracyclin wurde in den Gebeinen von längst verstorbenen Nubiern durch die Beleuchtung mit ultraviolettem Licht entdeckt. Das Tetracyclin hatte sich in den Knochen eingelagert, die Jahrhunderte überlebt und seine Anwesenheit durch ein grün-gelbes Leuchten verraten. Die Forscher gehen sogar davon aus, dass das Tetracyclin noch heute seine Wirkung entfalten kann und das Wachstum von Mikroorganismen hemmt oder sie gar abtötet.

Glück für Alexander Flemming, der 1928 das Penicillin entdeckte und einen Nobelpreis für seine Entdeckung 1945 erhielt, dass die Nubier keine schriftlichen Aufzeichnungen hinterlassen haben, denn ihre Gebeine sind die einzige Zeugen für das Vorkommen diesen Stoffes in der Zeit von 250 n. Chr. bis ca. 550 n. Chr. Egal, ob sie es bewusst oder unbewusst gebraucht haben, sie haben von diesem Antibiotikum profitiert.

Kein Essen ohne Mitesser

Die große Frage die sich stellt, ist die Frage danach, wie die Nubier das Tetracyclin aufgenommen haben könnten. Das Tetracyclin war keineswegs eine Nahrungsmittelzugabe, sondern es ist ein Stoffwechselprodukt der Streptomycetenbaktieren und so liegt der Schluss nahe, dass die Nubier verunreinigte Lebensmittel genossen haben, in denen zufällig jener Bakterienhemmer dabei war.

Die Menschen im antiken Nubien verwendeten Getreide um ihre Nahrungsmittel und Bier(!) herzustellen. Da sie keine Seife kannten und ihre Produkte nicht rein halten konnten, ist es sehr wahrscheinlich, dass sich die Streptomyceten, die im Boden vorkamen, seit der Ernte des Getreides in der Kette der Nahrungsmittelherstellung befanden. Hier konnten sie sich in feuchtwarmen Gärprozessen gut entwickeln und das Tetracyclin produzieren. Dem Bier war anzusehen, dass die Streptomyceten ihren Anteil hatten, denn eine goldfarbene Bakterienkolonie schwamm auf dem Bier. (Die Streptomyceten sind es übrigens die den charakteristischen Geruch der Walderde durch das Absondern von Duftstoffen hervorrufen.)

Ob die Erfolgsgeschichte des Tetracyclins mit dem Einführen des Reinheitsgebots ein Ende fand und jener Stoff eine Pause einlegen musste, bis Alexander Flemming ihn aus seinem Dornröschenschlaf erweckte, ist nicht sagen. Denn bis heute ist es unklar, ob die Nubier überhaupt von diesem Bakterium wussten und ihr Bier absichtlich unrein hielten. Ein Fakt dagegen ist eindeutig. Nicht nur den Nubiern war dieser Effekt bekannt, sondern auch anderen Kulturen in anderen Regionen der Erde und zu anderen Zeiten, denn die Forscher haben Gebeine aus dem 13. und 14. Jahrhundert untersucht und ebenfalls das Tetracyclin nachgewiesen. Ein Hoch auf die Brauerei im eigenen Keller.

Quellen: Wired, Bnet, Wikipedia Foto: Andreas Praefcke

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