Civilization V: Spielerische Herausforderung für Jedermann

Der fünfte Teil der Civilization Reihe setzt sich deutlich von seinen Vorgängern ab und das nicht nur optisch. Denn viele Spieldetails wurden verändert und eine Frage drängt sich auf: Bietet Civ V genauso viel fesselnden Spielspaß, wie seine Vorgänger? Werden Spieler das Essen vergessen, Civ wegen?

Bevor ein Spiel begonnen werden kann, hat der Spieler die Wahl zwischen 18 unterschiedlichen Völkern. Während bei Civ III und Civ IV die Völker noch zwei Eigenschaften hatten und diese gut vergleichbar waren, ist eine genaue Unterscheidung bei Civ V nicht mehr möglich. Denn jedes Volk besitzt genau eine sehr spezielle Eigenschaft, ein Spezialgebäude und eine Spezialeinheit. Die Eigenschaften rangieren von mehr Bewegungspunkte für Seeeinheiten (England), mehr Gold durch Handelsrouten (Arabien) oder mehr Belohnungen für einen Sieg über die Barbaren (Deutschland) und hier zeigt sich schon, dass die Eigenschaften eines Volkes nicht dessen Spielweise bestimmen (müssen).
Im nächsten Schritt kann die Karte ausgewählt werden. Bei Civ V kann der Spieler zwischen mehreren (aber nicht vielen) Kartentypen wählen. So kann auf einem Kontinent, einer Pangäa Karte oder auf vielen kleinen Inseln gespielt werden. Nun sollte die Kartengröße eingestellt werden. Doch hier ist schon Vorsicht geboten, denn die kleinste Kartengröße garantiert immer noch ein Spiel mit mindestens zehn Städten. Nachdem diese Wahl getroffen wurde, müssen noch der Schwierigkeitsgrad und die Spielbedingungen eingestellt werden. Voila es geht los.

Eine neue Welt bereit besiedelt zu werden.

Ein neues Reich – eine neue Verwaltung
Der Spieler kann sein Spiel beginnen. Ihm werden ein Siedler und ein Krieger zur Verfügung gestellt. Mit dem Siedler wird eine Stadt gegründet und der Krieger wird zur Erkundung geschickt. Dann wird ein Monument gebaut und mehrere Runden kann der Spieler seinem Krieger beim Erkunden zu gucken.
Was sofort auffällt, sind die Anzeigen in der linken oberen Ecke. Sie geben eine Übersicht über die Wissenschafts-, Gold-, Kulturproduktion und über die Laune der Bevölkerung, sowie die benötige gute Laune für das nächste goldene Zeitalter.
Während der Krieger weiter erkundet, Ruinen entdeckt und Naturwunder auftut, kann der Spieler sich mit den Einstellungen abfinden, denn er kann nicht mehr einstellen wie viel Geld seines Staatshaushaltes in Forschung, Kultur und gute Laune investiert werden kann. Auch eine Regierungsform kann er nicht mehr auswählen. Dafür stehen ihm viele goldene Zeitalter bevor, sofern er seine Bevölkerung glücklich hält. Denn ein goldenes Zeitalter beginnt, wenn genügend gute Laune „gesammelt“ wurde.
Der erkundende Krieger ist mittlerweile auf Barbaren gestoßen. Sie machen ihm zuschaffen, doch er kann sie besiegen und macht dann eine Pause. Nach seiner kurzen Ruhe wird er einen Stadtstaat entdecken. Dieser ist noch neutral, aber seine Gunst kann der Spieler durch Geld oder das Erfüllen von Aufgaben für den Stadtstaat erwerben. Der Lohn ist umso höher und gleichzeitig ein Argument gegen die Eroberung und Tilgung des Stadtstaates von der Karte: Jede Stadt des Spielers erhält eine bestimmte Menge Nahrung, die Hauptstadt erhält noch eine Extraportion Nahrung und er versorgt das Reich mit den Ressourcen, die er besitzt.
Die Kultur hat einen Schwellenwert erreicht und der Spieler kann seine Sozialpolitik anpassen. Noch hat er die Auswahl zwischen einer Investition in die Tradition, Unabhängigkeit(Liberty) oder Ehre. Weitere Optionen wie Frömmigkeit (Piety), Patronat, Kommerz, Rationalismus, Freiheit, Autokratie und Ordnung eröffnen sich dem Spieler im Fortlauf der Geschichte. Tradition versorgt ihn mit Nahrung. Unabhängigkeit(Liberty) sorgt für eine verbesserte Siedlerproduktion und Ehre für einen Angriffsbonus gegen Barbaren. Nachdem die Entscheidung getroffen wurde, geht es zurück zur Hauptstadt. Denn diese ist gewachsen.


Hier kann der Spieler entscheiden in welche Richtung sich seine Gesellschaft entwickeln soll.

Der Spieler kann nun einen Siedler produzieren. Während dieser Zeit wächst die Stadt nicht mehr. Was dem Spieler sofort auffallen wird, ist die unsymmetrische Ausbreitung der Stadt. Dieses neue Feature lässt die Bevölkerung entscheiden, wohin sie sich ausbreiten möchte. Dabei achtet sie eher auf wirtschaftliche Faktoren (Ressourcen), als auf politische Faktoren (Land abgrenzen). Wenn dem Spieler die Ausbreitung seiner Stadt nicht reicht, so kann er sich Land dazu kaufen. Der Preis für ein neues Landstück beginnt bei 50 Gold und wächst mit jedem Kauf. Auch hier unterstützt das Spiel den Spieler, denn Lila umrahmte Felder stellen Kaufempfehlungen dar.
Der Siedler ist fertig und die Produktion eines Arbeiters kann beginnen. Während der Siedler seine Reise zu einer neuen Siedlungsstelle antritt, erscheint ein Popup von einem Griechen auf einem Pferd: Alexander wurde getroffen und begrüßt den Spieler in seiner Landessprache. Wie Alexander sprechen alle anderen Nationen in Ihrer Heimatsprache. Viel gibt es mit Alexander nicht zu bereden – ein Forschungsabkommen, kann aufgrund der fehlenden Technologie nicht begonnen werden – und so geht der Spieler seines Weges. Solange er nicht auf Alexanders Insel siedelt, wird dieser nichts gegen den Spieler unternehmen. Für viele Jahre werden die Barbaren die einzige Unterhaltung des Spielers und diese sind zäh. Denn sie greifen mit Kriegern, Bogenschützen und Schiffen an; können sich selbst aber nicht heilen. Sollte es dennoch passieren, dass sie einen Siedler oder Arbeiter rauben, so muss der Spieler sich nicht über den Verlust ärgern, denn er kann den Entführten zurück erobern. Ein angenehmes neues Feature, das keine Produktion verschwendet.

Neue Strategien durch neue Handhabung
Dem Spieler wird schnell auffallen, dass ein typisches Civ Feature fehlt: Kulturkämpfe sind nicht mehr möglich. Steht eine Grenze zu einem Nachbarn so kann nur ein Krieg oder ein großer Künstler diese verändern. Wie schon erwähnt, wird Kultur nun für die Entwicklung der Sozialpolitik benötigt. Neben den Kulturkämpfen fehlen auch die Religion und die Spionage. Wer bei der Religion „zum Glück“ sagt, wird sich bei der Spionage ärgern, denn Informationen über den Gegner sind nicht mehr so leicht einzuholen.
Auch das Militärsystem hat sich verändert, denn die Achtung der Erkenntnis der klassischen Physik: „Wo ein Körper ist, kann kein anderer sein.“ führt dazu, dass Kriege mit fünf oder zehn Einheiten geführt und gewonnen werden. Einheitenstapel gibt es nicht mehr und die Massenproduktion muss ausbleiben, denn Rohstoffvorkommen sind begrenzt. So kann ein Eisenvorkommen den Spieler mit drei Eisen versorgen, aus denen er genau drei Einheiten, welche Eisen benötigen, herstellen kann. Die Frage nach der Stadtverteidigung wird durch das neue Feature der Selbstverteidigung der Stadt beantwortet, denn diese kann nun auf gegnerische Einheiten feuern. Ihre Schlagkraft ist dabei von Ihrer Größe abhängig. Weiterhin können Fernkampfeinheiten nun über zwei Felder schießen und so anrückende Armeen schon frühzeitig bekämpfen.
Eine positive Neuerung sind die Kosten für Straßen. Der Straßenbau muss auf das Nötige begrenzt werden und die ganze Karte kann nicht zugepflastert werden. Weiterhin ist die Grafik sehr gelungen und sehr ansehnlich. Auch das hexagonale Raster ist eine Augenweide und lässt die Welt realistischer aussehen. Wem das zuviel ist, der kann auf die strategische Ansicht (mit F10) umschalten und die Spielwelt betrachten, wie sie bei Siedler von Catan aussehen würde. Während der Spieler seine Welt erkundet, wird die Karte unter rechts immer größer und die Startinsel des Spielers immer kleiner. – ein schönes, aber auch deprimierendes Feature. Weiterhin kann der Spieler seine Welt aktiver gestalten, denn während bei Civ IV Spezialisten ihre Gebäude in einer Stadt errichteten, müssen die Spezialisten ihre Gebäude nun auf einem Geländefeld errichten. Wer glaubt hier seine Produktion zu verringern, dem werden unproduktive Eis- und Wüstenfelder nützlich erscheinen.

Der strategische Modus. Willkommen bei Siedler von Catan.

Spielen und Gewinnen
Ein Spiel auf der Schwierigkeitsstufe 4 (Prinz) war bei Civ IV ein anspruchsvolles Spiel. Bei Civ V ist es ein leichtes Spiel, das einfach zu gewinnen ist. Dies liegt zunächst am seltsamen Verhalten der KI, die im 18 Jahrhundert nach Christi grade zwei bis drei Städte gebaut hatte und einfach überrannt werden konnte, während der Spieler die doppelte bis dreifache Anzahl an Städten besaß. Die Spannung im Spiel wird am Anfang durch die Barbaren aufrechterhalten. Diese spawnen in dunklen Bereichen der Karte, können aber keine Städte mehr errichten. Nachdem diese Bedrohung besiegt ist, folgt lange Zeit nichts mehr. Erst wenn der Spieler Hochseetaugliche Schiffe entwickeln kann, wendet er sich der Welt und den anderen Spielern zu und siehe da: es ist vieles noch unbesiedelt und so kann der Spieler sich auf seine Nation besinnen, seinen Haushalt sanieren, die Forschung vorantreiben und seine Bevölkerung glücklich stellen. Das weichgespülte Civilization V erinnert mehr an SimCity als an seine Vorgänger und der Spieler kann sich auf langatmige Partien freuen in denen er sich ausreichend um seine Bevölkerung kümmern kann: Namen vergeben, Großziehen und füttern.

PS: Übersetzungsfehler sind möglich, da ich nur die englische Version gespielt habe.
PPS: Ob dieser Feiertag gerechtfertigt ist?

2 Antworten zu “Civilization V: Spielerische Herausforderung für Jedermann

  1. Sel 13. Oktober 2010 um 12:35

    Gutes Review, der Stil gefällt mir🙂.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: