Civilization V KI Test: Komm spiel mit mir – bitte

Das Verhalten der KI in Civilization V wirft Fragen. Warum ist sie die ganze Zeit damit beschäftigt Weltwunder zu bauen und interessiert sich nicht für die Besiedlung? Im Gegenzug erhält der Spieler dafür immer wieder Androhungen, dass er dass freie Land nicht besiedeln soll. Grund genug das Spiel genauer zu untersuchen.

Herauszufinden warum die KI in Civilization V gerne Weltwunder baut, ist nicht möglich. Dafür kann untersucht werden, wann sie mit dem Spieler in Kontakt tritt, welche Interessen sie verfolgt und wie sie sich abgrenzt. Aus diesem Grund wurden mehrere Spiele aufgesetzt.

Das Insel-ich
Im ersten Spiel wurde als KI Montesuma der Azteken gewählt. Da er eine militärische Grundausrichtung hat, sollte sein Interesse an Expansion besonders groß sein, denn für jede getötete Einheit erhält er Kulturpunkte. Gespielt wird auf Kontinenten im Spieltyp Duell auf einer winzigen Karte mit vier Stadtstaaten. Die Schwierigkeitsstufe beträgt vier (Prinz – keiner erhält Vorteile) und die Siegbedingungen werden auf „Eroberung“ reduziert. Der menschliche Spieler wählt die Franzosen. Ihre Städte erhalten einen Kulturbonus von +2 Kultureinheiten pro Stadt pro Runde.

Der erste Kontakt mit Montesuma wird 775 v. Chr. hergestellt. Hochseetaugliche Schiffe gab es noch nicht, aber zum Glück waren die beiden Inseln durch flache Gewässer verbunden. Schon 750 v. Chr. kommt Montesumas Angebot über offene Grenzen – der Spieler lehnt aber ab. Bevor 250 v. Chr. das zweite Angebot für offene Grenzen kommt, erhält der Spieler 375 v. Chr. noch ein Angebot über ein Forschungsabkommen. Weitere Angebote über offene Grenzen und Forschungsabkommen folgen – werden aber alle abgelehnt.

Um Montesuma zu ärgern wird direkt vor seinem Land eine Siedlung errichtet. Prompt folgt die erste Beschwerde, dass der Spieler wo anders siedeln soll. Das Gespräch wird mit einer Zurückweisung seiner Beschwerde beendet. (Eine Beschwichtigung wäre die andere Möglichkeit gewesen.) Montesuma reicht es und er erklärt den Krieg. Der Spieler rückt nun mit seiner Kavallerie vor und beginnt die Grenzstadt zu verteidigen. An einen Angriff ist leider noch nicht zu denken, da die Stadt stark belagert wird und schon in den nächsten Runden fällt. Doch davon lässt sich der Spieler nicht entmutigen. Er setzt zum geballten Rückschlag an und erhöht seine Kriegsproduktion. Viele Einheiten werden fallen und Montesuma wird einmal ein Friedensangebot machen, dass nur abzulehnen ist, da die verlorene Stadt sonst für immer in seinen Händen verbleiben würde. Nach und nach fallen die Städte von Montesuma. Von seinen Einheiten geht keine Bedrohung mehr aus, da sie aus Bogenschützen bestehen. Einzig die Städte sorgen mit ihren ständigen Bombardierungen für Ärger. Kurz nachdem eine wichtige Stadt erobert wurde, folgt ein außergewöhnliches Friedensangebot von Montesuma. Er gibt dem Spieler drei von vier Städten, viele Rohstoffe und eine Menge Gold – Akzeptiert! Montesuma hat nun nur noch eine Stadt und ist dem Untergang geweiht – gut verhandelt. Nachdem zehn Runden vergangen sind und der Friedensvertrag ausgelaufen ist, wurde er von der Karte getilgt.

Montesuma war hier keine große Herausforderung und seine Drohungen waren größtenteils leer. Schauen wir wie er sich auf einem Pangääkontinent schlägt.

Das Pangäa-Wir
Fast die gleichen Spielbedingungen wie im ersten Spiel herrschen hier, bloß eins hat sich geändert, mittlerweile wird auf einer Pangäa Karte gespielt. Der Spieler steht so unter noch größerem Druck, da es keine natürlichen Wassergrenzen mehr zwischen ihm und der KI gibt. Mal schauen wie sich Montesuma verhält. Der erste Kontakt findet bereits im Jahr 2920 v. Chr. statt. Montesumas Späher sagen Hallo. Mehrere Angebote über Forschungsabkommen und offene Grenzen folgen. Doch diese werden abgelehnt, bis der Spieler im Jahre 0 feststellt, dass Montesuma eine Stadt hat in der mehrere Weltwunder stehen. Der Spieler hatte zu diesem Zeitpunkt zwölf Städte.
Nachdem eine Siedlung des Spielers gefährlich nah am Reich der Azteken entsteht, kommt sofort eine Beschwerde von Montesuma. Diese wird zurückgewiesen und noch im gleichen Jahr wird ihm der Krieg erklärt. Der Krieg beginnt um 375 n. Chr. Montesuma schickt seine Späher und der Spieler greift mit Schwertkämpfern an. Angriff zwölf gegen

Angriff/Verteidigung sechs – Montesuma hat keine Chance und bevor das erste Jahrtausend zur Hälfte rum ist, befindet sich Tenochtitlan in französischer Hand. Eine schwache und beschämende Leistung der Azteken.


Eine Stadt galt es zu erobern. Aufregend!

Pangäa-Wir reloaded
Nach dieser schlechten Leistung mussten sich einige Spieleinstellungen ändern. Aus den Azteken wurden die Japaner und die Schwierigkeitsstufe vier (Prinz) wurde zu Schwierigkeitsstufe sechs (Eroberer). Das Spiel sagt dazu, dass die KI Vorteile erhält – was genau, dass weiß der Spieler nicht. Übrigens es gibt maximal acht Schwierigkeitsstufen. Die Japaner sind ein noch militärischeres Volk als die Azteken, denn ihre Kämpfer haben immer volle Angriffskraft egal, wie beschädigt sie sind. Das Spiel findet weiterhin in einer Pangäawelt statt und die einzige Siegbedingung bleibt Eroberung. Der Spieler wählt die Inder. Ihre Stärke liegt darin, dass die Bürger die Unglücklichkeit halbieren, dafür gibt es aber von den Städten doppelt soviel hervorgebrachte Unglücklichkeit – eine Herausforderung mit dem Ziel schnell große Städte zu haben.

Was von den Japanern zu erwarten ist, kann am Anfang des Spiels noch nicht gesagt werden. Die erste Begegnung findet dafür schon 3440 v. Chr. statt und die Japaner treten als freundliches Volk auf, dass immer wieder Forschungsabkommen vorschlägt, auf welche der Spieler eingeht. Offene Grenzen hingegen lehnt er ab.
Schnell zeigt sich, dass die Japaner sehr fortschrittlich sind und ihre Städte größer sind, als die des Spielers. Doch so lange beide Nationen mit einem gewissen Abstand zu einander siedeln, geht keine Gefahr von den Japanern aus. Das diese nicht zu unterschätzen sind, zeigt sich als sie den Stadtstaat Singapur erobern. Sein Besitz waren Felle und eine Ölquelle. Erst im 18. Jahrhundert haben beide Nationen eine gemeinsame Grenze. An dieser scharren sich schon die Einheiten. Doch solange der Spieler keine mechanisierte Infanterie besitzt, wird nicht angegriffen. Oda Nobunaga zeigt seine Schützen und die nötige Technologie(Elektronik, Moderne) für die mechanisierte Infanterie wurde

erworben. Der Krieg kann beginnen. Die mechanisierte Infanterie erledigt einen Schützen nach dem anderen und schnell fällt Tokio. Nun schlägt Oda Nobunaga mit vielen Schützen und Armbrustschützen zurück, sowie von Seeseite aus mit seinen Zerstörern und seine Städte feuern unerlässlich. Zum Glück ist genug Geld in der Kasse des Spielers, so dass er sich die mechanisierte Infanterie kaufen kann und zum Glück unterstützt der militärische Stadtstaat Dublin ihn mit Einheiten. Um die Japaner zu schwächen, wird Osaka angegriffen. Es ist wenig verteidigt und fällt somit schnell. Osaka war jene Stadt in der die KI viele Weltwunder gebaut hat – Pech gehabt. Nach dieser Einnahme und dem Sturm auf Kyoto folgt das erste Friedensangebot. Doch dieses wird abgelehnt und als Zeichen empfunden, dass Odas Verteidigung gebrochen ist. An einen Frieden kann aber noch nicht gedacht werden, denn der Stadtstaat Singapur muss befreit werden und an einer japanischen Stadt muss die Atombombe ausprobiert werden. (Ja, Zufall!)

Noch wurde die Bombe nicht gebaut. Doch dank Oda gibt es genug Uran für ihre Herstellung.

Der Krieg verläuft gut. Die mechanisierte Infanterie ist ausreichend vorhanden und eine Stadt nach der anderen wird erobert, schließlich auch Singapur. Als der Spieler gefragt wird, was er mit Singapur machen möchte, wählt er die neue dritte Option: Singapur wiederherstellen. Kagoshima muss mittlerweile als Bombentestort dienen. Die Atombombe entfaltet ihre Wirkung und zerstört alle Einheiten im Radius von zwei Feldern um der Stadt. Sie zerstört alle Entwicklung und beschädigt Kagoshima so stark, dass sie mit einem Handschlag eingenommen werden kann. Leider muss sich der Spieler nun um den radioaktiven Fallout kümmern. Als letzte Stadt folgt Nara. Sie ist eine Grenzstadt und dem entsprechend schlecht ausgebaut. Ihre Eroberung geht schnell und das Spiel ist beendet.

Sprich Civilization-Ich
Was Sid Meier sich bei dieser KI gedacht hat, ist nicht erklärbar. Während in Civ. IV die KI auf Schwierigkeitsstufe vier eine Herausforderung war, ist ihr Verhalten in Civ V einfach nur lächerlich. Warum will sie die ganze Zeit Weltwunder bauen und nicht das schöne Land besiedeln?
Auch der Krieg hat sich verändert. Mit wenigen Einheiten kann hier eine Nation erobert werden und schnell kristallisiert sich heraus, dass der technologische Fortschritt alles ist. Denn mit Einheiten, die ein Zeitalter weiter fortgeschritten sind, als die des Gegners ist viel leichter Krieg zuführen. Dafür bestanden oft Probleme mit der Laune der Bevölkerung, denn die war sehr oft so mies, dass keine Siedler mehr produziert worden und schon erstellte Siedler nicht siedeln konnten – zum Glück wurden Plätze freigehalten. Aus dem Problem der guten Laune, erwächst bei seiner Lösung, dass Problem der Finanzen, denn die vielen Gebäude die für gute Laune sorgen, wollen finanziert werden. Zum Glück löst sich dieses Finanzproblem von selbst, denn entsprechende Gebäude erzeugen einen Mehrwert.

Das Civilization V Spiel ist zunehmend keine Herausforderung, denn die KI trachtet nicht nach den Rohstoffen des Gegners und so findet lange Zeit kein Krieg statt. Falls der neue Sinn des Spiels in einem Wettlauf um Weltwunder liegt, so wäre die KI eine wirkliche Herausforderung. In vielen anderen Belangen ist sie dies nicht.

Eine Antwort zu “Civilization V KI Test: Komm spiel mit mir – bitte

  1. Sel 27. Oktober 2010 um 11:13

    Ähnliches habe ich in meinen Partien auch oft genug erlebt: Wenn Grenze an Grenze durch eine Neugründung entsteht, ist der Krieg schnell da, und zumindest manche KI-Gegner sind irrsinnig versessen aufs Wunder bauen. Außerdem expandiert die KI gerade am Anfang langsam und ignoriert oft sogar sehr gute Standpunkte in der Nähe, um neben der Hauptstadt noch sehr schlechte zu besiedeln.

    Im Koop-Multiplayer, den ich gerne mit einem Freund zocke, kommen dann noch weitere Schwächen dazu, es gibt Verbindungsprobleme, die Funktion nebeneinander starten funktioniert nicht usw.. Derzeit habe ich deswegen gerade eher weniger Lust auf das Spiel:-/.

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